Turiwas? Die geheime Welt von Turisede

Darf man Geheimtipps eigentlich verraten?

Jedes Mal, wenn wir einen besonderen Ort entdecken, beginnt derselbe innere Konflikt. Erzählt man anderen davon, riskiert man, genau das zu zerstören, was ihn besonders macht. Behält man ihn für sich, verschwinden irgendwann vielleicht die Menschen, die ihn überhaupt erst möglich machen.

Die Geheime Welt von Turisede gehört genau in diese Kategorie.

Und ganz ehrlich: Wir haben ein wenig Angst davor, diesen Artikel zu schreiben.

Nicht, weil Turisede klein wäre. Die Anlage umfasst viele Hektar entlang der Neiße bei Görlitz, mit Baumhaushotels, geheimen Wegen, Restaurants, Fantasieorten, Kletterwelten und einer eigenen Mythologie. Sondern weil dieser Ort etwas besitzt, das selten geworden ist.

Man kann sich hier noch verlieren.

Schon die Karte wirkt weniger wie ein Freizeitparkplan als wie die Landkarte einer vergessenen Welt. Überall tauchen Namen auf, die eher aus einem Fantasyroman stammen als aus einem Familienausflug: Turiuswinkel, Baumuniversität, Zauberwald, Lernlegende, Krönum oder Pfad der Erleuchtung.

Man läuft los, weil man irgendwo hin möchte.

Und landet ganz woanders.

Genau darin liegt ein großer Teil des Zaubers.

Die meisten modernen Freizeitparks sind darauf optimiert, Besucher möglichst effizient von Attraktion zu Attraktion zu bewegen. Turisede scheint das genaue Gegenteil anzustreben. Hier wird nicht geführt. Hier wird verführt.

Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues.

Ein Baumhaus. Ein Tunnel. Eine Hängebrücke. Eine Kugelbahn. Eine versteckte Treppe.

Ein Dorf in den Baumwipfeln.

Oder einfach nur ein Weg, der interessant genug aussieht, um ihm zu folgen.

Dabei fällt noch etwas anderes auf.

Das Smartphone verliert plötzlich an Bedeutung.

Große Teile des Geländes verfügen über kaum oder gar keinen Handyempfang. Was andernorts Beschwerden auslösen würde, entwickelt hier eine überraschende Wirkung. Nach wenigen Minuten hört man auf, nach dem Netzsymbol zu schauen.

Man schaut stattdessen nach oben.

In die Baumkronen. Auf Brücken. In Geheimgänge.

Auf die nächste verrückte Konstruktion, die irgendwo zwischen Architektur, Kunstprojekt und Kindheitstraum entstanden sein muss.

Vielleicht ist das die eigentliche Besonderheit von Turisede.

Man verliert nicht nur den Empfang.

Man verliert auch das Bedürfnis danach.

Dabei entstand dieser Ort keineswegs als perfektes Freizeitparkkonzept. Hinter der heutigen Anlage steht der Holzgestalter Jürgen Bergmann, der Anfang der 1990er Jahre begann, auf einem ehemaligen Waldbauernhof fantasievolle Holzbauten zu errichten. Über Jahrzehnte entstand daraus die Kulturinsel Einsiedel, aus der schließlich die heutige Geheime Welt von Turisede hervorging.

Das erklärt vermutlich, warum sich hier so vieles anders anfühlt.

Turisede wurde nicht in einer Konzernzentrale geplant.

Turisede ist gewachsen. Stück für Stück. Idee für Idee. Baumhaus für Baumhaus.

Man spürt das überall.

Nichts wirkt wie Massenabfertigung. Nichts wirkt standardisiert. Stattdessen hat man ständig das Gefühl, dass irgendjemand eine verrückte Idee hatte und sie einfach umgesetzt hat.

Wer die Fotos sieht, könnte vermuten, dass sich der Park ausschließlich an Kinder richtet.

Das stimmt nicht.

Kinder lieben Turisede aus offensichtlichen Gründen. Sie verschwinden in Tunneln, klettern über Brücken, bauen an Wasserlandschaften oder beschäftigen sich stundenlang mit Kugelbahnen.

Erstaunlicher ist, wie viele Erwachsene dabei selbst wieder zu Entdeckern werden.

Irgendwann hört man auf, Begleitperson zu sein.

Und beginnt selbst zu suchen.

Nach dem nächsten Baumhaus.

Dem nächsten Aussichtspunkt.

Dem nächsten seltsamen Ort mit einem noch seltsameren Namen.

Hinzu kommen Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten, die sich nahtlos in die Fantasiewelt einfügen. Wer möchte, kann sogar in den Baumhäusern übernachten und den Park erleben, wenn die Tagesgäste längst nach Hause gefahren sind.

Natürlich ist nicht alles perfekt.

Turisede ist manchmal verwirrend. Manchmal unübersichtlich. Manchmal weiß man nicht, ob man sich gerade auf dem richtigen Weg befindet.

Aber vielleicht ist genau das die eigentliche Qualität dieses Ortes.

Nicht alles muss effizient sein.

Nicht alles muss optimiert werden.

Nicht alles braucht eine App.

Die Geheime Welt von Turisede erinnert daran, dass Abenteuer selten dort entstehen, wo alles geplant ist.

Sondern dort, wo man bereit ist, sich ein wenig zu verlaufen.

Und vielleicht ist das der Grund, warum wir diesen Geheimtipp trotz aller Bedenken verraten.

Weil Orte wie dieser immer seltener werden.

Und weil man manchmal über Dinge sprechen sollte, die zeigen, dass Fantasie, Handwerk und ein bisschen Verrücktheit noch immer ausreichen können, um etwas zu erschaffen, das Kinder begeistert und Erwachsene für einen Tag vergessen lässt, auf ihr Handy zu schauen.

Wir kommen wieder. Ganz sicher!

> Kulturinsel – Die Geheime Welt von Turisede

> Turisede auf Google Maps

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