Deutschland verarmt seine Mitte
Wir Deutschen arbeiten viel, sparen viel und bauen Vermögen auf. Genau an dieses Vermögen will die Politik inzwischen immer stärker heran. Nicht durch die große Enteignung, vor der manche schreien. Viel subtiler. Über Pflegekosten, Steuern, Freibeträge, Inflation, Sozialabgaben und ein System, das langsam dafür sorgt, dass erarbeiteter Wohlstand Stück für Stück verschwindet.
Ich weiß, wovon ich spreche.
Ich hatte einmal eine hochverzinste Lebensversicherung aus der Zeit, als solche Verträge tatsächlich noch eine vernünftige Altersvorsorge waren. Dann kam eine Prüfung vom Finanzamt Starnberg. Ohne Rücksprache. Ohne Anruf beim Steuerberater. Ohne Nachfrage bei mir. Die Lebensversicherung wurde einfach aufgelöst.
Der Fehler klärte sich innerhalb eines Tages auf. Das Geld war wieder da. Nur der Vertrag nicht mehr. Die alten Konditionen waren verloren.
Pech gehabt.
Mein Vater war ein vernünftiger Mann. Fleißig. Sparsam. Intelligent. Er entwarf sein eigenes Holzhaus und baute es selbst. Dann kam Alzheimer.
Eine normale 24-Stunden-Betreuung reichte irgendwann nicht mehr aus. Er musste in ein spezialisiertes Gerontopflegeheim. Um das zu finanzieren, musste ich das Haus verkaufen.
Das ist die Realität hinter vielen politischen Debatten: Vermögen verschwindet oft nicht spektakulär. Es wird langsam aufgefressen.
Wenn jetzt zusätzlich Freibeträge für Schenkungen und Erbschaften reduziert werden, wird künftig noch mehr von dem verschwinden, was Familien über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Ich selbst habe mir drei Wohnungen erarbeitet. Klingt für viele sofort nach Reichtum. Die Realität sieht anders aus.
Die Miete der ersten Wohnung geht fast komplett an das Finanzamt.
Die zweite Wohnung finanziert Sanierungen, Reparaturen, Dach, Bad, Heizung und die Bank.
Von der dritten Wohnung hoffe ich irgendwann im Alter leben zu können.
Ich bin selbstständig. Ich bekomme keine gesetzliche Rente. Für die Krankenversicherung muss ich im Alter vermutlich rund 1.000 Euro pro Monat bezahlen.
Am Ende bleiben vielleicht weitere 1.000 Euro zum Leben.
Und ja: Die drei Wohnungen in München haben zusammen einen Wert von ungefähr zwei Millionen Euro.
Zum Sterben zu reich.
Zum Leben zu arm.
Ein Freund von mir lebt inzwischen in Italien. Schwer krank, erwerbsunfähig. Deutschland konnte er sich schlicht nicht mehr leisten.
Dann erbte er ein großes Grundstück am Starnberger See. Wert über 1,5 Millionen Euro. Klingt nach Glücksfall.
Das Problem:
Das Haus darauf ist sanierungsbedürftig. Die Erbschaftsteuer musste bezahlt werden. Also wurde das Grundstück geteilt und verkauft. Am Ende bleiben vielleicht noch 400.000 Euro übrig.
Natürlich soll man etwas abgeben, wenn man Vermögen erhält. Aber irgendwann zerstückelt das System Vermögen so stark, dass nichts Dauerhaftes mehr bleibt. Häuser verschwinden. Grundstücke werden geteilt. Familienvermögen wird liquidiert.
Was über Generationen aufgebaut wurde, zerfällt innerhalb weniger Jahre.
Und währenddessen tut die Politik so, als wäre Eigentum automatisch Reichtum.
Noch viel schlimmer wird die Situation für normale Angestellte.
Mit der Durchschnittsrente (Stand 2024) von rund 1.150 Euro kann man in vielen Regionen Deutschlands schon jetzt kaum noch Miete, Energie und Lebensmittel bezahlen. Und Inflation bedeutet, dass die Situation jedes Jahr schwieriger wird.
2007 erschien der deutsche Fernsehfilm „2030 – Aufstand der Alten“. Grundlage waren reale Zahlen und Prognosen des Statistischen Bundesamts. Die Probleme waren also seit Jahrzehnten bekannt.
Und was ist passiert? Praktisch nichts.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer. Die Mittelschicht wird schwächer. Vermögensaufbau wird schwieriger. Eigentum wird zunehmend zum Risiko statt zur Sicherheit.
Wer heute nicht darüber nachdenkt, wie er langfristig leben, sparen und alt werden will, wird in Zukunft ein massives Problem bekommen.
Deutschland hat kein echtes Aufstiegssystem mehr.
Deutschland entwickelt sich langsam zu einem Verarmungssystem.
> Demenz ist kein Vergessen. Demenz ist langsames Verschwinden.