Reich werden for Beginners oder F.I.R.E. es brennt!
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Reich werden for Beginners oder F.I.R.E. es brennt!

Tom
24. August 2026 7 Min. Lesezeit

Werde reich! Warum ist das eigentlich für so viele das große Ziel? Weil es ziemlich angenehm wäre, irgendwann überall auf der Welt am Strand liegen zu können, während das Geld nebenbei weiterarbeitet und man sich das Leben leisten kann. Wer das nicht als Ziel hat, muss sein Leben lang schuften. Reich sein ist an sich nichts Schlechtes. Trotzdem haben viele Menschen beim Thema Geld sonderbare Glaubenssätze.
Ich sage: Geld verdirbt nicht den Charakter. Geld zeigt den wahren Charakter.
Und wie Marcel Reich Ranicki einmal sagte: „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“

Schaffe, schaffe Häusle baue wie es die Schwaben sagen ist eine nette Idee, funktioniert aber so aber schon lange nicht mehr. Und die meisten Menschen verbringen mehr Zeit mit der Planung eines Wochenendes als mit ihrer gesamten finanziellen Zukunft.

Ich mache dich reich. Todsicher. Na gut. Eine kleine Einschränkung gibt es: Keine Geldentwertung, keine wirtschaftliche Katastrophe und etwas Zeit vorausgesetzt. Denn wenn du regelmäßig Geld zurücklegst, es vernünftig anlegst und lange genug wartest, erledigt der Zinseszinseffekt irgendwann den Rest. Die entscheidenden Größen sind Zeit und Sparrate. Dazu kommen wir später. Zuerst müssen wir die Basics verstehen.

1. Inflation

Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft des Geldes sinkt. Die 100 Euro auf deinem Konto bleiben zwar 100 Euro. Kaufen kannst du dir davon aber irgendwann deutlich weniger.

Legst du heute 100 Euro unter das Kopfkissen und holt dein Ur-Ur-Enkel sie in hundert Jahren wieder heraus, reicht es vielleicht noch für einen Lolli.

Damit unser Konzept von Vermögen überhaupt funktioniert, müssen wir deshalb zuerst verstehen, wie schnell unser Geld an Kaufkraft verliert.

In Deutschland erfährt man das beim Statistischen Bundesamt, Destatis, in Österreich bei Statistik Austria, in der Schweiz beim Bundesamt für Statistik, BFS, und in den USA beim U.S. Bureau of Labor Statistics, BLS.

Für internationale Vergleiche eignet sich in Europa der harmonisierte Verbraucherpreisindex, HICP.

Im Juli 2026 lag die jährliche Inflationsrate nach HICP in Schweden bei 0,3 Prozent, in der Schweiz bei 0,7 Prozent, in Dänemark bei 1,6 Prozent, in Frankreich bei 2,4 Prozent, in Finnland bei 2,5 Prozent, in Österreich bei 2,7 Prozent, in Deutschland bei 2,8 Prozent und in Norwegen bei 2,9 Prozent.

Die USA sind methodisch ein Sonderfall. Dort wird der Consumer Price Index, CPI, verwendet. Im Juli 2026 lag die jährliche Inflationsrate dort bei 3,4 Prozent.

Die Schweizer hatten in unserem Vergleich also den besten Platz unter dem Kopfkissen. Die Amerikaner den schlechtesten.

Für unser Thema Reich werden bedeutet das: Wer sein Geld auf dem Sparbuch, im Sparbrief, auf dem Festgeld oder schlicht unter dem Kopfkissen liegen lässt, sollte mindestens die Inflationsrate ausgleichen.

Sonst wird man zwar nicht ärmer auf dem Kontoauszug.

Aber man wird ärmer.

Und jetzt wird es noch unangenehmer.

2. Steuern

Bevor wir uns Sorgen machen, wer von unserem Kuchen alles ein Stück haben möchte, müssen wir erst einmal wissen, dass der Staat natürlich auch mitessen will.

Je nach Land funktioniert das allerdings ziemlich unterschiedlich.

In Deutschland werden Kapitalerträge grundsätzlich mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer belastet. Dazu kommen gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Für kleinere Kapitalerträge gibt es den Sparer Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare. Mit einem Freistellungsauftrag kann dieser Freibetrag bei der Bank berücksichtigt werden.

Andere Länder machen es anders.

Österreich besteuert Kapitalerträge ebenfalls pauschal. Frankreich hat ebenfalls eine Flat Tax. Dänemark kann höhere Kapitalerträge deutlich stärker besteuern.

Die Schweiz und Norwegen sind besonders interessant, weil dort zusätzlich zu Kapitalerträgen auch das vorhandene Vermögen besteuert werden kann.

Schweden wiederum hat mit dem ISK ein Modell, bei dem nicht einfach jeder einzelne Gewinn besteuert wird, sondern die Besteuerung an das Anlagevermögen gekoppelt ist.

Mehr müssen wir an dieser Stelle gar nicht wissen.

Wir wollen hier kein Steuerseminar veranstalten.

Es geht um das Prinzip:

Wenn dein Geld irgendwann Geld verdient, möchte der Staat ebenfalls ein Stück davon haben.

Und bevor wir uns darüber Gedanken machen, wie wir unser Geld vermehren, brauchen wir überhaupt erst einmal Geld, das wir vermehren können.

Damit sind wir bei einem der wichtigsten Punkte des ganzen Artikels.

3. F.I.R.E.

Bevor wir uns Sorgen machen, wer von unserem Kuchen alles ein Stück haben möchte, brauchen wir erst einmal ein Vermögen.

Und leider bewahrheitet sich hier der Satz: Die erste Million ist die schwierigste. Das stimmt.

Die schlechte Nachricht vorweg: Wenn du ein fleißiger Angestellter bist, jeden Monat brav 1.000 Euro zur Seite legst und dieses Geld einfach liegen lässt, wirst du es kaum schaffen, in deinem Leben Millionär zu werden.

1.000 Euro im Monat sind 12.000 Euro im Jahr. Selbst nach 40 Jahren liegen da gerade einmal 480.000 Euro.

Ohne Zinsen. Mit Inflation sogar noch deutlich weniger wert. Das ist das Sparschweinprinzip. Und damit wird niemand reich. Was uns hilft, sind Zinsen. Genauer gesagt: der Zinseszinseffekt.

Und der funktioniert umso besser, je früher man anfängt. Deshalb an alle Eltern: Fangt mit der Geburt an, für euer Kind Geld zurückzulegen. Ab Monat eins. Wer dieses Glück mit seinen Eltern nicht hatte, fängt eben heute an. Denn wer spät anfängt, hat nur zwei Möglichkeiten: mehr sparen oder länger arbeiten. Und wer beides nicht möchte, muss verstehen, wie F.I.R.E. funktioniert.

Was ist F.I.R.E.?

F.I.R.E. steht für „Financial Independence, Retire Early“, auf Deutsch also finanzielle Unabhängigkeit und früher Ruhestand.

> F.I.R.E. „Financial Independence, Retire Early bei Wikipedia

Beim F.I.R.E. Prinzip versucht man, einen möglichst großen Teil seines Einkommens zu sparen und langfristig zu investieren. Ziel ist ein Vermögen, dessen Erträge irgendwann ausreichen, um den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Das Prinzip ist simpel. Die Schwierigkeit liegt darin, es durchzuhalten. Dafür braucht man einen Grund: Einen Traum.

Vielleicht das Haus an der spanischen Küste mit Pinien vor der Tür. Oder einfach die Freiheit, irgendwann nicht mehr arbeiten zu müssen, nur weil das Geld sonst nicht reicht. Denn wer keinen Grund hat zu sparen, wird sich irgendwann fragen, warum er eigentlich auf das 23. Hemd verzichten soll. Muss es wirklich heute noch das neue Smartphone sein? Brauche ich wirklich jedes Jahr das neueste Gadget? Muss es ständig Luxus und die nächste teure Reise sein?

Wer nachhaltig lebt und mit weniger zufrieden ist, hat es hier leichter. Wer dagegen ständig versucht, mit anderen mitzuhalten, hat ein Problem. Es gibt immer jemanden mit einem größeren Haus, einem besseren Auto, einer teureren Uhr und dem neuesten Smartphone.

Man kann bei diesem Spiel ziemlich lange mitmachen.

Und ziemlich pleite dabei werden.

Mir hat hier das Eichhörnchenprinzip geholfen.

Verschiedene Töpfe für verschiedene Dinge. Früher waren das echte Konten oder Geldbörsen. Heute sind es virtuelle Unterkonten, die inzwischen fast jede gute Bank anbietet. Von jedem Euro, den ich verdiene, splitte ich mein Geld. Automatisch. Und wenn ein Unterkonto einigermaßen voll ist, wird das Geld entsprechend weitergeleitet oder ausgegeben. Einige werden allerdings vermutlich nie voll.

1 Prozent landet in meinem SOS Topf.

Nur für absolute existenzielle Notfälle. Da ich hoffentlich nie an das Geld muss, kaufe ich davon Goldmünzen in nicht zu großer Stückelung. Nichts über einer Unze, sonst wird es im Notfall unnötig schwer handelbar.

1 Prozent ist das genaue Gegenteil.

Dieses Geld verprasse ich völlig sinnlos für die Dinge, bei denen andere zu geizig sind.
Oktoberfest zum Beispiel. Oder Massage. Oder die Fahrt mit dem Jetski.

3 Prozent sind für kleine Notfälle.

Dieses Konto ist bei mir ungefähr alle drei Monate leer.

Die übrigen Töpfe sind je nach Einkommen und persönlichen Wünschen variabel.

In Zürich, Hamburg oder München können 70 Prozent des Einkommens für die Miete draufgehen. In der Pampa kostet vielleicht das Auto einen erheblichen Teil des Budgets. Die Details sind hier noch gar nicht wichtig.

Wichtig sind drei Regeln.

1. Halte deinen SOS Topf und deinen Depotstand geheim. Außer deinem Banker muss das niemand wissen.

„Lebe im Verborgenen“, láthe biósas, lautet eine berühmte Maxime des antiken Philosophen Epikur.

2. Entnimm kein Geld aus dem Investitionstopf. Umschichten ja. Rausnehmen nein.

„Ich lege es später wieder zurück“ funktioniert erstaunlich selten. Dafür gibt es die anderen Töpfe.

3. Verleihe kein Geld.

Das geht niemals gut. Oder zumindest erstaunlich selten. Damit haben wir jetzt die Voraussetzungen geschaffen.

Wir sparen.

Wir teilen unser Geld auf.

Wir geben nicht alles aus.

Und irgendwann liegt tatsächlich Geld herum, das wir nicht brauchen. Jetzt können wir endlich darüber reden, was dieses Geld für uns tun kann. Denn unter dem Kopfkissen wird daraus keine Million. Auf dem Konto wahrscheinlich auch nicht. Und genau hier beginnt der wirklich interessante Teil.

Der Artikel ist noch lange nicht fertig. Aber wir sind jetzt wenigstens schon einmal reich an Erkenntnissen. Wir haben bisher nur die ersten Spielregeln geklärt: Geld verliert an Kaufkraft, der Staat möchte seinen Anteil und ohne eine ausreichende Sparrate gibt es überhaupt kein Kapital, das für uns arbeiten kann.

Was danach kommt, ist die eigentliche Frage: Was machen wir mit dem Geld?

Fortsetzung folgt.

Geschrieben von

Tom

Tom kombiniert australische Gelassenheit mit der Energie eines Investmentpodcasts auf Koffein. Zwischen Sydney, Rooftop-Büros, Meer und Fitnessstudio beschäftigt er sich mit Technologie, Investments und finanzieller Freiheit. Geld betrachtet Thomas eher wie ein Strategiespiel als wie Status. Während andere Luxus kaufen, rechnet er aus, wie lange man davon Dividenden bekommen könnte. Gleichzeitig lebt er überraschend entspannt und liebt Sonne, Strand und gutes Essen. Seine Wohnung wirkt wie eine Mischung aus Surfclub und Investmentbüro. Thomas hält viele moderne Karrieren für freiwillige Selbstüberforderung. Seine Freunde behaupten, er könne keine fünf Minuten verbringen, ohne irgendeine neue Geschäftsidee zu entwickeln. Trotzdem beneidet er manchmal Menschen, die einfach zufrieden sind.